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Blackout Problems © Ilkay Karakurt

Blackout Problems

+ Kid Dad

Datum: Samstag, 04. März 2017
Ort: Maze, Berlin ( Mehringdamm 61 · 10961 Berlin)
Einlass: 19:00
Beginn: 20:00

Holy Tour II

Wer sich heutzutage für ein Leben als Musiker entscheidet, hat einen guten Grund. Seitdem die „Blackout Problems“ sich 2012 zusammengefunden haben, ist viel passiert.

Diverse Touren, Radio- und Festivalerfolge, 2 EPs und ein Album später ist das Phantasma eines glamourösen Rockstarlebens zwischen Sex, Drogen und ausverkauften Stadien immer noch ein Phantasma – und der Grund für die vier Wahl-Münchner, weiterzumachen und unermüdlich mit dem Sprinter auf der Autobahn unterwegs zu sein, scheint noch immer der gleiche zu sein. Mit ihrem neuen Album „HOLY“ kreisen sie ihn ein. Hört man sich durch die 12 neuen Songs, die sich zwischen der ungestümen Jugendlichkeit von Enter Shikari und dem großspurigen Highway- Soundtrack eines Bruce Springsteen aufspannen – die beiden Lieblingsbands des Sängers Mario – blickt man auf das Fundament einer Band, die bei sich geblieben ist und genau zu wissen scheint warum sie tut was sie tut. Woher die vier Musiker ihre Kraft nehmen, über ihre Kritik und ihren Frust hinaus zu einem so ehrlichen Optimismus zu finden, ist angesichts des allerorts grassierenden Zynismus einigermaßen rätselhaft – wie verbindend diese Positivität ist, zeigt sich in der Kollaboration mit Nathan Gray (Boysetsfire) und Touren mit Heisskalt und den Emil Bulls.

Wie aufrichtig und stabil sie ist, beweisen die Musiker mit ihrem eigenen Leben: Do It Yourself ist hier die Devise, zum Beispiel beim eigenen Merchandise Vertrieb “Munich Warehouse”, der ausschließlich mit fairer Ware handelt. Natürlich, räumt Sänger Mario ein, machen sie sich Sorgen um die Zukunft, aber ein sicherer Job allein bedeutet auch nicht mehr als eine Verlagerung der Ängste, die vor allem eins sind: menschlich. „Keiner ist besser als jemand anders“, sagt Bassist Marcus, „jeder sollte gleich behandelt werden. Auch live gibt es keinen Unterschied zwischen Musiker und Publikum, die Bühne ist für alle da.“ In einer Zeit, in der es nicht nur im Popzirkus meistens um Ego und Selbstverwirklichung geht, ein Plädoyer für Gemeinschaft. Und ein gutes Beispiel für die gelebte Haltung, die die „Blackout Problems“ dem Lärm der Meinungen entgegenhält – und auf „HOLY“ entgegenbrüllt. In den einfachen, ernst gemeinten Texten geht es um Freundschaft, Mut, Gerechtigkeit, Fragen der Verantwortung und Moral – lauter altmodische Werte also, oder eben: die Zukunft, für die wir bloß noch nicht bereit sind. Anachronistisch und hochaktuell also, genauso wie die Musik zwischen amerikanischem Rock und zeitgenössischem Post-Everything. Da verwundert es nicht, dass zu den Lieblingsfilmen der Band sowohl „Into the wild“ als auch „The Social Network“ zählen.

Sinnbildlich greift auch das Albumcover die beiden abstrakten Gegensätze Urbanität und unberührte Natur auf: Der Wunsch des Menschen, sich immer weiter in Gefilden zu verlieren die ihm nicht gehören und die dabei entstehenden Rückschläge – dargestellt vom Brighton Pier, der sich weit hinein in den Ozean erstreckt und, Jahre nach seiner Erbauung, Opfer eines gewaltigen Brandes wurde. Die restaurierten Überreste dienten der Band als Kulisse und Inspiration gleichermaßen. “HOLY” klingt offen, hell, aufgeräumt. Während Schlagzeuger Michael sich fordernd und vehement durch die Songs prügelt, strahlen die Gitarren förmlich um die Wette – und der Gesang bettet sich in seiner stylischen Unperfektheit perfekt ein in diesen angenehm wenig aufgeblähten Sound, dem man die vielen Live-Shows an jeder Stelle anhört. Die Melodien dagegen scheuen nicht die große Geste. Und die Songs halten das aus. Produzent Philipp Koch (Heisskalt) ist dem Purismus der Band mit gekonnter Zurückhaltung begegnet, und so entstand ein Album, das groß ist und dabei ohne Posen auskommt.

Unverspieltes Spiel, unverkleideter Stil, unverhohlene Aussagen: Man kann das naiv finden. Man kann aber auch einfach den Hut ziehen vor so viel Straightness. Und sich der hoffnungsvollen Prognose der Band anschließen und den Aufbruch besingen: „We will be one“. Susanne Heinrich und Mathias Bloech