The Midnight Photo: Nicole Mago

The Midnight

Datum: Montag, 01. März 2021
Ort: Metropol · Berlin ( Nollendorfplatz 5 · 10777 Berlin)
Einlass: 19:00
Beginn: 20:00

Tickets
Website Am Event teilnehmen

Oberflächlich betrachtet verbirgt sich hinter The Midnight ein Synthwave-Duo aus Kalifornien, welches mit bislang drei Alben und zwei EPs in der Online-Welt auf sich aufmerksam machte und welches erst mit dem 2016 erschienenen Debüt- Album „Endless Summer“ bis auf Platz 17 der Billboard-Eletronic-Charts stieg, nur, um mit dem aktuellen Longplayer „Monsters“ sogar die Spitze dieser Charts einzunehmen. Doch je näher man The Midnight betrachtet, desto schneller findet man heraus: Da ist mehr. Viel mehr.

Der in Dänemark geborene Elektronik-Produzent, Songwriter und Sänger Tim McEwan und der aus Atlanta stammende NeoFolk-Singer-/Songwriter Tyler Lyle haben, seit sie sich im Jahr 2012 bei einem Songwriting-Camp in Los Angeles trafen, eine vollkommen eigene, unverwechselbare Galaxie kreiert, in der Themen und Ideen, Musik und Visuals, progressive Sounds und retrofuturistische Ansätze zu einem gewaltigen konzeptionellen Gesamtbild verschwimmen. Unter dem Banner The Midnight erzeugen die beiden – immer wieder unterstützt durch weitere Protagonisten der Synthwave-Szene wie Timecop1983 oder die Sängerin Nikki Flores – multidimensionale Welten, die tief in bestimmte Themen eintauchen und diese aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten.

Zentraler Leitgedanke ihrer Musik ist der japanische Begriff „mono no aware“, der eine wehmütige, bisweilen melancholische Reminiszenz an die unbeschwert freien Momente der Kindheit und Jugend beschreibt; dies im Wissen um die Erkenntnis, dass Zeit vergänglich und nicht aufzuhalten ist. Dies passt hervorragend zu dem noch recht jungen Genre der „New Retro Wave“, die Melodien aus Filmen und Videospielsequenzen der 1980er-Jahre in ihrer Musik wieder aufleben lassen. Insbesondere die Filmmusiken von John Carpenter haben es The Midnight angetan, was man in der Verwendung von retrofuturistischen Synthesizer-Sounds perfekt nacherleben kann. Hinzu kommt bei ihnen stets eine multifunktionale visuelle Ebene: Vom Coverartwork über Fotos und Videoclips bis hin zu den Visuals ihrer Liveshows steht alles in direktem Zusammenhang mit den Inhalten ihrer spannenden Songs, die sich bei Bruce Springsteen, Bob Dylan und John Prine ebenso bedienen wie bei Toto oder Thomas Newman. Alles verwoben zu einem einzigartigen Amalgam, das ihre Musik ebenso dicht und dringlich wie schwerelos und frei erscheinen lässt. Bestes Beispiel für diese interdisziplinäre Arbeit ist ihr aktuelles Album „Monsters“, zugleich der zweite Teil einer geplanten Trilogie. Während sich der erste, 2018 erschienene Teil „Kids“ naheliegenderweise mit der Kindheit auseinandersetzte, mit all ihrer Unbeschwertheit und herrlichen Naivität, beschreibt „Monsters“ die Jahre der Adoleszenz mit ihren vielen Widersprüchen und der Suche nach der eigenen Identität.

„Die Adoleszenz ist verglichen mit der Kindheit viel verrückter, tragischer, brutaler, wehmütiger, aber auch schöner“, beschreibt Tyler Lyle diese Phase. „All das findet sich auch auf dem Album wieder.“ Dieses Duo, das sich viel Zeit ließ, bevor es seine erste ausverkaufte Show in Los Angeles spielte – erst mehr als drei Jahre nach ihrer Gründung traten sie erstmals live auf – hat sich mittlerweile einen weitreichenden Namen als absolut außergewöhnliches Live-Erlebnis erspielt. Bei ihren Konzerten wird nichts dem Zufall überlassen. Dies ginge auch nicht bei einer derart konzeptuellen Arbeit zwischen Klang und visueller Überwältigung. Vielmehr führen The Midnight eine Suite der Menschwerdung auf, wie man sie noch nicht gesehen hat – mit Sounds, die ebenso an die eigene Kindheit erinnern, wie sie von der Zukunft des digitalen Klangs erzählen.