Achtung: Ausverkauft!
The Teskey Brothers Photocredit: Al Parkinson

The Teskey Brothers

+ WILSN

Datum: Freitag, 07. Februar 2020
Ort: Heimathafen Neukölln · Berlin ( Karl-Marx-Straße 141 · 12043 Berlin)
Einlass: 20:00
Beginn: 21:00

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Alle paar Jahre hört man eine Stimme, die man nicht wieder vergisst. Weil sie etwas transportiert – ein Gefühl, eine Erinnerung, vielleicht eine bestimmte Art von Trost. Solche Stimmen überwinden die Grenzen von Genres und Musikgeschmäckern, weil in ihnen etwas schwingt, das glücklich macht. Man fühlt sich ein kleines bisschen freier, jedenfalls für den Moment. Und weiß dann wieder, worum es bei Musik eigentlich noch mal ging.

Josh Teskey hat eine solche Stimme. Der Sänger und Gitarrist singt, als käme er nicht aus Melbourne, Australien, sondern aus einer anderen Zeit und von einem anderen Ort. Aus Memphis vielleicht, ca. 1967, oder aus Detroit. Josh Teskey erinnert an Legenden wie Otis Redding oder Sam Cooke und weckt den alten Soul und Blues in einer Weise zu neuem Leben, wie man es eigentlich nicht mehr kann. Wenn Josh singt, wird es still um ihn herum, weil man nichts verpassen will, keinen Ton, kein Wort, keine dieser großartig klassischen Melodien und R&B-Hooks. „Meine Stimme war einfach immer da“, sagt Josh, „ich bin schon als Kind zu meinem Vater gelaufen und habe gesagt, Papa, hör mal, ich kann singen wie ein Bluesmann!“ Dass Teskey jahrelang auf den Wochenmärkten in und um Melbourne Straßenmusik machte, hat vermutlich auch geholfen. „Man muss bei solchen Gigs nicht nur laut sein, man muss auch alles reinlegen – soviel Gefühl wie möglich.“

Doch es geht nicht allein um Josh, sondern um seine Band, die Teskey Brothers, die er gemeinsam mit seinem Bruder Sam (Gitarre), dem Bassisten Brendon Love und dem Schlagzeuger Liam Gough gründete. Die vier Musiker kennen sich seit Kindesbeinen, sind in derselben Nachbarschaft am Rand von Melbourne aufgewachsen und spielen ihre Version des 60s-Soul und -R&B schon seit gut zwölf Jahren.

Unter Sams Haus bauten die Freunde einen Proberaum, der zum Aufnahmestudio anwuchs und noch heute das Hauptquartier der Band ist. Hier reifte in aller Ruhe die Musik der Teskey Brothers, bis vor zwei Jahren das Album „Half Mile Harvest“ entstand. Warum braucht man zehn Jahre für ein Debüt? „Wir hatten gar nicht unbedingt vor, eine Platte zu machen“, erklärt Sam, „wir waren ganz zufrieden damit, in der Woche unseren Jobs nachzugehen, abends zu proben und am Wochenende Gigs zu spielen.“ Da ist man an einem Kern der Teskey Brothers: Diese Musik ist eine Dekade lang ohne die üblichen Ziele aufstrebender Musiker entstanden – Plattenvertrag, Ruhm, Weltkarriere. Hier sind vier junge Männer mit einem bescheidenen australischen Leben, Handwerkerjobs und einem Sinn für das unaufgeregte Vergehen der Zeit. Hätte sein können, dass diese unfassbare Musik den Bundesstaat Victoria nie verlässt.

Doch es kam anders, weil man eine so fabelhafte Platte wie „Half Mile Harvest“ nicht für sich behalten kann. Schnell nach dem Erscheinen wurden Blogger und Playlisten-Kuratoren auf die Teskey Brothers aufmerksam. Booking-Agenturen brachten die Band nach Europa und in die USA, wo die Clubs bald ausverkauft waren. „Es ist ein irres Gefühl – wir landen in einem fremden Land, und da sind Hunderte von Menschen, die ein Ticket kaufen, um uns live zu sehen“, sagt Josh und kann es immer noch nicht recht glauben. „Die Dinge haben sich schnell verändert, und daran mussten wir uns gewöhnen. Aber es ist aufregend, sich in diesem Strom treiben zu lassen, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht.“ Auf immer größere Bühnen jedenfalls – Josh, Sam, Brendon und Liam erzählen von Festivals in den USA und magischen Abenden zum Beispiel in Londons Union Chapel, wo 800 Menschen andächtig lauschten. Und doch fand der erklärte Lieblingsmoment der Band zu Hause statt: beim Meredith Music Festival in der Nähe von Melbourne. „Wir gehen da seit Jahren mit religiösem Eifer hin“, grinst Brendon, „dort selbst aufzutreten, war für uns ein Wendepunkt.“

Nun erscheint das zweite Album, „Run Home Slow“. Man hört wieder den unfassbar authentischen und inspirierenden classic sound der Australier, doch der Vorhang öffnet sich. Mit der Hilfe des Produzenten Paul Butler (Michael Kiwanuka, Andrew Bird) addieren die Teskey Brothers Folk und Gospel und machen ihre Arrangements mit Streichern, Bläsern und Background-Sängerinnen üppiger. Ganz wundervoll ist zum Beispiel „Paint My Heart“, das mit einer Hammondorgel beginnt und sich zu einem Blues-Jam-Rock aufschwingt, als wohnte man einem frühen Konzert von Joe Cocker bei. Oder der jubilierende Shuffle „Man Of The Universe“ – man wähnt sich mit The Band in den Catskill Mountains im Jahr 1968. Genauso wundervoll ist das fast a cappella vorgetragene „Hold Me“ – mehrstimmiger Gesang, Handclaps, floorboard stomping: Da ist es wieder, das glückliche Gefühl.

„Run Home Slow“ entstand wieder in Sams Heimstudio und wurde erneut streng analog auf einer alten Studer-A80-Bandmaschine aufgenommen. Die Band ist in ihrem Element: Sam kennt die Finessen der altmodischen Musikaufnahme, Brendon ist der künstlerische Leiter und schafft mit Trommler Liam ein Fundament aus klassischen Motown-Grooves. Und Josh packt jede Unze Emotion in seinen Gesang, der nun noch mehr Höhe, Breite und Tiefe hat. „Auf dem Album geht es um Veränderung und darum, sich von seinem jüngeren Selbst zu verabschieden“, sagt Liam, „unser Leben ist anders geworden; wir haben unsere Jobs gegen ein Leben auf Tournee fern der Heimat eingetauscht, und das ist herausfordernd für uns. Es war uns wichtig, in all dem Trubel an den Ort zurückzukehren, an dem wir frei von Erwartungen unsere Musik entstehen lassen können. Wir schreiben simple Songs, mit denen wir transportieren können, um was es uns bei Soulmusik geht: Gefühl, Gefühl und noch mehr Gefühl.“

Wir könnten noch viel mehr erzählen von den Teskey Brothers. Zum Beispiel von Hollywood-Star Chris Hemsworth, der keine Gelegenheit auslässt, seine Liebe für die Band kundzutun. Oder davon, dass der Titel des Debütalbums („Half Mile Harvest“) sich auf die Länge eines Tonbands bezieht – ausgerollt ist es offenbar eine halbe Meile lang. Oder immer weiter davon, wie begeistert wir von dieser erhebenden Musik sind, deren Schlichtheit und Wärme genau das ist, was man in einer chaotischen und verwirrenden Welt gerade gut gebrauchen kann. Aber hören Sie selbst.